Reisebericht Nordeuropa

1. Tag, 18. Juli 1992

Heute weiss ich nicht einmal mehr, wie wir auf Idee kamen mit den Motorrädern und unseren beiden Freunden Richtung Norden aufzubrechen. War es, weil mein Mann das gleiche Modell eines  BMW Motorrads gekauft hatte wie sein Freund Martin, oder war es, weil wir eine gewisse Zeit viel miteinander unternommen haben, weil wir im gleichen Ort wohnten? Ich weiss es nicht und es ist auch nicht von Belang. Es war das erste Mal, dass mein Mann und ich einen ganzen Monat Ferien bekamen und wir gemeinsam auf einem Motorrad ins Abenteuer starteten. Wir buchten den Reisezug von Lörrach (Deutschland) nach Hamburg Altona. Dieser Zug fuhr in der Nacht und das Abenteuer begann auch schon in Lörrach. Die Motorräder wurden auf Wagen verladen, die normalerweise für Autos gebraucht wurden. Also rauf auf die Rampe und dann ganz nach vorne. Dies im unteren Teil der Wagen. Es ging auf und ab und einmal hob ich den Kopf und mein Helm bekam einen Klaps ab. Zum Schluss erhielt jeder Fahrer ein Spannset und war selbst verantwortlich sein Motorrad anzubinden.

 

Im Abteil gab es dann noch einen Sekt und die Fahrt Richtung Hamburg konnte losgehen. Abfahrtszeit um 17.50 Uhr laut Beförderungsschein. Gebucht hatten wir einen Liegewagen.

 

Beförderungsschein Reisezug Lörrach-Hamburg-Lörrach

 

2. Tag, 19. Juli 1992 bis 4. Tag 21. Juli

Am nächsten Tag kamen wir in Hamburg Altona an. Unsere Männer hatten Ihre Motorräder gut angebunden, denn sie standen wie vor der Abfahrt zurückgelassen. Einige andere waren auf der Fahrt gekippt. Von Hamburg ging es Richtung Travemünde zum Hafen. Leider hatten wir keine Überfahrt gebucht und so blieb für uns noch eine Kajüte 2x2m übrig. Puh. Ja und das unter dem Autodeck. Mir war dabei gar nicht wohl. Auch das Verstauen der Motorräder auf dem Schiff fand ich irgendwie kriminell. So auf der Seite in den Nischen des Frachtraums. Auf der Bordkarte steht 1m pro Motorrad. Eingeschifft haben wir auf der Finnjet.

Hier ein Link zur Bordzeitung, die wir erhalten haben. Darin steht alles über die Finnjet selbst, die verschiedenen Kabinen etc. Finnjet

 

 

Die meiste Zeit verbrachten wir ausserhalb der Kajüte, weil wir, wie auf dem Foto zu sehen ist, sehr wenig Platz hatten. Kreuz und quer waren die Kojen angebracht. Unter meiner Koje waren unsere Koffer verstaut. Je einen Koffer hatte jeder von uns an Kleidern zur Verfügung. Dies musste einen Monat reichen. Natürlich gingen wir zwischenhinein einmal waschen. Ausserdem hatten wir die meiste Zeit nur unsere Motorradbekleidung an. Passte schon.

Wir gingen auf die Suche nach unserem Rettungsboot. Es gab viele Unterhaltsmöglichkeiten (siehe Bordzeitung) und verpflegen mussten wir uns ja auch noch.

 

 

So navigierten wir von Travemünde nach Helsinki in Finnland (Route siehe ebenfalls Bordzeitung).

Tickets für Finnjet
Bordkarten für Finnjet

 

4. Tag, 21. Juli 1992

In Helsinki angekommen fuhren wir zuerst weiter auf einen Zeltplatz. Damals war das Zelt noch unser «Hotel». Der Zeltplatz hatte einen schönen Grillplatz. Es tat gut, wieder festen Boden unter den Füssen zu haben.

Zeltplatz

 

Für diese Reise hatten wir uns speziell noch ausgerüstet. Ein Zelt, ein Benzinkocher, Isomatten, Schlafsäcke und eine Hängematte.

 

 

 

 

 

Alte Markthalle (Vanha Kauppahalli) in Helsinki

Später gingen wir noch auf den Markt in Helsinki

5. Tag, 22. Juli 1992

Wir fuhren bis Savonlinna und besuchten da, die Burg. Auch unsere Zelte schlugen wir dort auf dem Camping auf.

 

Burg Savonlinna
Burg Savonlinna
Burg Savonlinna
Burg Savonlinna

 

 

 

6. Tag, 23. Juli 1992 und 7. Tag 24. Juli 1992

Ab Tag 6, habe ich leider keine genauen Angaben mehr, da wir entweder keine Fotos gemacht hatten, oder meine gesammelten Belege nicht vollständig, oder unleserlich  sind. Ich weiss, dass wir Richtung russische Grenze fuhren und dann wieder mehr ins Landesinnere.

 

8. Tag, 25. Juli 1992

Am 8. Tag kamen wir in Rovaniemi an.

 

 

Der Zeltplatz befand sich unmittelbar neben den Sprungschanzen von Rovaniemi. Ich konnte da fast nicht hinaufgehen Es ging über Treppen mit Metallgitterstufen. Es war unheimlich hoch. Unser Kollege hatte eine Superidee. Ich ziehe mir mein Regenkombi und den Helm an und rutsche den Auslauf hinab. Gesagt, getan. Er kam auf eine ungeheure Geschwindigkeit, aber es ist nichts passiert. Er startete ja nur unten beim Auslauf und nicht oben auf der Schanze! Am Nachmittag kamen dann noch die Schanzenspringer zum Sommer-Training.

 

Ab 9. Tag, 26. Juli 1992

Nach Rovaniemi fuhren wir weiter Richtung Norden. In Sodankylä hielten wir an der Strasse an einem Stand an. Dort kauften wir bei einem Lappen ein Renntierfell. Leider verlor unseres mit der Zeit so viele Haare, dass wir es entsorgen mussten. Unsere Freunde haben ihr Fell noch, soviel ich weiss.

 

Beim Lappen
Hier kaufen wir die Rentierfelle

Nach dem Zwischenhalt war der Inari See unser nächstes Zwischenziel. Wir fanden immer wieder tolle Zeltplätze und auch landschaftlich hat mich an Finnland die Weite, die Einsamkeit und die Natur tief beeindruckt.

 

 

 

 

Postkarte von Same

Wenn wir in der Nähe des Wassers gezeltet haben, zogen wir die Helme und Sturmhauben erst nach dem Aufbau des Zeltes aus. Es gab unheimlich viel Mücken. Einmal ging ich auf Toilette auf einem Campingplatz und danach hatte ich eine riesige Beule an meinem Hinterteil, weil mich etwas gestochen hatte. Für warmes Wasser musste man praktisch immer Jetons kaufen. Da ich meistens die Letzte von uns vieren war, habe ich auch oft kalt geduscht. Eindrücklich war auch die Fahrt bei einer Mine vorbei. Da hatten wir wirklich Glück, weil die Strasse mit ganz feinem Staub belegt war und die Räder keinen Halt mehr fanden. Glücklicherweise stürzten weder unsere Kollegen noch wir. Auf dem Inarisee gab es ein Wasserflugzeug, das hat uns auch gefallen. Ausserdem war es im Norden mühsam, wenn man nachts einmal auf Toilette musste, den im Unterholz war bestimmt ein Rentier unterwegs. Sie waren ja friedlich, aber zu Nahe möchtest Du diesen Tieren nicht kommen. Nun hiess es die Finnischen Mark wegzupacken und die Norwegischen Kronen «hervorzuklauben».

 

 

 

 

 

 

Auf dem Inarisee gab es ein Wasserflugzeug, das hat uns auch gefallen. Ausserdem war es im Norden mühsam, wenn man nachts einmal auf Toilette musste, den im Unterholz war bestimmt ein Rentier unterwegs. Sie waren ja friedlich, aber zu Nahe möchtest Du diesen Tieren nicht kommen. Die weite einsame Landschaft war in Finnland extrem beeindruckend. Nun hiess es die Finnischen Mark wegzupacken und die Norwegischen Kronen «hervorzuklauben».

 

10. Tag, 27. Juli 1992

Wir übernachteten auf dem Camping Russenes. Der befindet sich hier: Camping Russenes

 

Die nächsten Bilder sind schon am Nordkap aufgenommen. Das war dann auch das nördlichste Ziel unserer Reise. Leider war nicht perfektes Wetter und so sahen wir nur einen Lichtstreifen am Horizont. Ausserdem waren wir sehr müde, weil wir am Abend von unserem Zeltplatz losgefahren sind und erst im «Morgengrauen» wieder zurück waren, um zu schlafen. Ausserdem war dies für uns komisch nach langer Zeit plötzlich auf Menschenmengen zu stossen. Mit Reisebussen waren die Touristen angereist. Abschliessend muss ich gestehen, die Reise als Ganzes war sehr eindrücklich und schön, aber das Nordkapp im Speziellen nimmt nur einen kleinen Teil der Erinnerungen ein.

 

Ticket Nordkap

Nördlichste Stadt

 

Scheinbar gab es einen Sekundarlehrer, der an unserer Schule von dieser Stadt behauptete es sei die nördlichste Stadt auf dem Globus und deshalb davon schwärmte.

 

 

 

 

 

In Norwegen fuhren alles an der Küste entlang. Dies bedeutete an die Spitze raus und in die Bucht hinein. Wir kamen nicht wirklich schnell voran. Einmal liess mich mein Mann das Motorrad lenken und in einem Tunnel verlor ich meine Linsen. Aber ich sah nicht so schlecht, dass ich nicht weiterfahren konnte. Aber es war auf unserer Reise kühl und nass. Viele male packten wir am Morgen das Zelt nass ein und am Abend wieder nass aus. Man konnte das Innenzelt herausnehmen und so lernten wir mit diesem Umstand umzugehen. Obwohl angenehm war es nicht und auch die Kleider fühlten sich mit der Zeit klamm an. Nur einmal auf der ganzen Reise leisteten wir uns einen «Hütter». Alkohol war in Norwegen ebenfalls sehr teuer und so gingen wir eines Abends aus und tranken ein Bier. Danach spielte eine Band auf und das Bier hätte noch viel mehr gekostet. Wir zogen es vor auf den Campingplatz zurückzukehren. Die nächste Anekdota war, dass Elmi und ich vermeintlich ein Nachtessen einkauften. Mit den Benzinkochern war unsere Menüwahl eingeschränkt. Also kauften wir eine Beutel mit Essen, aber leider war es nur ein Beutel mit Sosse, ohne Fleisch, oder Nudeln drin. Wer versteht schon Norwegisch und ich kenne mich mit Fertigmenüs nicht gut aus.

 

12. Tag, 29. Juli 1992

Unser Camping in Nordkjosbotn:  Camping in Nordkjosbotn

 

13. Tag, 30. Juli 1992

Die nächste Übernachtung war auf dem Zeltplatz Sortland: Camping Sortland

14. Tag, 31. Juli 1992

Unser Camping in Moskenes: Camping Moskenes

 

Tief beeindruckt waren wir von den Lofoten. Auf der äussersten Spitze von A haben wir gezeltet. Der Wind riss am Zelt und es regnete. Entweder riss es uns fast von der Klippe, oder der Wind brach kurz zusammen, um seine Kräfte neu zu bündeln. Am Abend hatten wir nur noch Spaghetti und Sosse. Diese kochte uns Martin und wir gingen in unser Vorzelt, um zu essen. Nur leider verschüttete ich mein Essen. Aber die anderen waren so nett und teilten das Wenige, dass wir hatten. Einmal hungrig ins Bett, wäre nicht schlimm gewesen. Am nächsten Tag ging es mit einem kleinen Schiff zurück aufs Festland. Auch das war ein Abenteuer, das seinesgleichen sucht. Diese Wellen, nur Jeannette schlief in der Kabine und Elmi musste ganz vorne zum Schiff und den Horizont fixieren, damit es ihm nicht übel wurde.

 

 

Fährticket von den Lofoten zurück nach Norwegen

 

 

 

Der Polarkreis in Norwegen war das nächste Fotosujet auf unserer Reise

15. Tag, 1. August 1992

Wir fanden einen Zeltplatz in Fauske: Camping Fauske

In Trondheim brauchte ich eine Auszeit und blieb auf dem Zeltplatz, während die anderen drei die Stadt erkundeten. Ein Monat ist eine lange Zeit und immer auf dem Motorrad ohne selbst zu fahren ist auch anstrengend.

Wir fuhren bei Lillehammer vorbei, wo zwei Jahre später die Olympischen Winterspiele ausgetragen wurden.

In Oslo selbst war ebenfalls ein Zwischenstop geplant, wo wir aber nicht lange blieben. Mit dem Motorrad zu reisen ist insofern mühsam, weil man immer mit Töffmontur etwas besichtigen muss, ausser man bleibt zwei Tage auf einem Zeltplatz.

 

18. Tag, 4. August 1992

Auf dem Camping in Sandmoen gab es einen Stellplatz für uns: Camping Sandmoen in Heimdal

19. Tag, 5. August 1992

Brottum hiess der nächste Halt: Camping Brottum

21. Tag, 7. August 1992

Nach Oslo hiess es schon bald die Währung wieder zu wechseln. Nun waren die schwedischen Kronen gefragt.

Schweden empfing uns mit mildem Wetter.

Eines schönen Nachmittags waren unsere beide Männer für längere Zeit nicht aufzufinden. Als wir uns nach geraumer Zeit auf die Suche nach ihnen machten, fanden wir die beiden auf dem Zeltplatz in einem Container. Dort gab es Flipperkästen. Sie spielten zu zweit an einem Kasten und gewannen ein Freispiel nach dem anderen. Nach gefühlt 3 von 4 Wochen Regen verbrachten die beiden einen ganzen Nachmittag beim «Glücksspiel» und dies bei schönstem Wetter in einem Container!

Camping Mellrud in Schweden: Camping Mellerud

 

 

In Helsingbor gingen wir auf die Fähre nach Dänemark.

 

 

Und wieder war es eine neue Währung, die in unseren Brieftaschen Platz fand. Wir hatten genügend Zeit, um in Kopenhagen verschiedene Sehenswürdigkeiten, oder sogar die Wachablösung sowie einen Ausflug ins Tivoli zu machen.

 

In Dänemark gibt es zwei wichtige Sachen von denen ich berichten möchte. Die kleine Meerjungfrau mussten wir lange suchen bis wir sie endliche fanden. Sie ist einfach klein! Dann hatten wir noch einen Zwischenfall in Kopenhagen. Ich bekam den Eindruck, dass die Dänen wilde Kerle seien. Wir waren auf dem Nachhause Weg zum Zeltplatz. An einer Ampel, die rot leuchtete hielten Martin und Elmi nebeneinander an. Das war dann so der Moment, wo wir unsere Visiere hochklappten und wir miteinander sprachen. Die Ampel hatte auf Grün gewechselt und hinter uns stand ein Auto, dass  hupte. Wir hatten es nicht eilig und deshalb, wenn ich mich recht erinnere, machte Martin eine Handbewegung, die heissen sollte, nur ruhig, wir fahren ja gleich los. Das passte dn Dänen nicht. Er fuhr bei Martin und Jeannette so nahe auf, dass ich Angst bekam, dass er sie «abschiessen» wolle. Martin war ein guter Motorradfahrer und er fuhr über einen Randstein und eine Wiese. Wir hatten uns für einen Moment aus den Augen verloren. Aber ich erinnere mich gut, da ich ja hinten sass und nicht auf den Verkehr achten musste. Ich hatte auch Angst, die Situation hatte etwas bedrohliches. Plötzlich sah ich Martin und Jeannette auf einer Parallelstrasse fahren. Wir fuhren ungefähr das gleiche Tempo und die Dänen? Ich weiss nicht mehr, wo sie abgeblieben sind. Auf alle Fälle ging es gut aus und ab diesem Moment hatte ich dieses Bild von rothaarigen, bärtigen wilden Dänen vor mir. Ich weiss es gibt auch blonde Dänen ohne Bart, aber das Bild wird mir immer in Erinnerung bleiben. Das waren die letzten Tage unserer 4-wöchigen Reise.

 

25. Tag, 11. bis 13. August 1992

Übenachtungen in Dänemark: Camping Rolje

26. Tag, 13. August 1992

Dann ging es über den Landweg zurück nach Hamburg Altona, wo wir die Motorräder wieder aufluden und mit dem Nacht-Reisezug Richtung Lörrach losfuhren.

 

Route unserer Reise